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Denkmal des Monats - Februar 2002
Landesamt für Denkmalpflege Hessen

Ausführung & Restaurierung von Innenausbau und Fassade bei lehmART

Ein Tabakladen des Art Déco

Anfang 1998 signalisierte der Eigentümer eines Wohn- und Geschäftshauses im Frankfurter Stadtteil Bornheim, dass der denkmalgeschützte Tabakladen im Erdgeschoss schon seit September 1997 leer stehe. Das Geschäft mit dem einzigen original erhaltenen Interieur im Stil des Art Déco in Frankfurt konnte als Tabakhandlung nicht mehr vermietet werden. Eigentümer und Denkmalpflege standen vor dem schwer zu lösenden Zielkonflikt, den funktionslos gewordenen Laden einerseits wieder einer wirtschaftlichen Nutzung zuzuführen (welche die Sicherung und Erhaltung des Denkmals garantiert), andererseits so wenig wie möglich in die Denkmalsubstanz einzugreifen.

Tabakladen

Bei der Suche nach einer denkmalverträglichen Neunutzung des Tabakladens konnte der seit 1914 in Frankfurt ansässige Familienbetrieb "Wacker's Kaffee-Rösterei GmbH" als Betreiber gewonnen werden. Diese alteingesessene Frankfurter Firma war in der Lage, in enger Zusammenarbeit mit dem Eigentümer und dem Denkmalamt nach etwa einjähriger Bauzeit und aufwändiger Restaurierung des denkmalgeschützten Interieurs, den ehemaligen Tabakladen als Ladengeschäft/Café im April 1999 wiederzueröffnen und damit für eine Revitalisierung dieses Art Déco-Unikats zu sorgen.

Denkmalpflegerisch vertretbar war dabei der Umbau einer Regalwand von der vom Eingang her linken zur gegenüberliegenden rechten Wand. Damit wurde die Möglichkeit geschaffen, den Verkaufsraum mit einer Nutzfläche von nur 24,1 Quadratmetern an den hinteren ehemaligen Abstellraum anzubinden, und diesen mit seinen 7,6 Quadratmetern als zusätzlichen Gastraum zu nutzen.

Hinsichtlich des Brandschutzes gab es aufgrund der Neunutzung als Café mit Sitzgelegenheiten zusätzliche Auflagen, die durch den aufwändigen, weil nicht sichtbaren Einbau von Entrauchungsanlagen erfüllt werden konnten. Von den zusätzlich geforderten zwei Toiletten konnte eine unter Bewahrung des denkmalgeschützten Verkaufsraums im Hauptnutzungsbereich, die andere im Treppenhaus untergebracht werden.

Bevor Peter Umpfenbach, der von 1903 bis 1936 in Frankfurt a. M. als Architekt tätig war, den Tabakladen 1921 im Stil des Art Déco im Erdgeschoss eines bereits um 1900 errichteten viergeschossigen Mietshauses einbaute, muss hier wohl eine Biergaststätte gewesen sein. Ein Hinweis darauf fand sich an der Wand hinter dem umgesetzten Regal. Hier war unter der Tünche der Spruch "Hurra dem Hopfen! Hurra dem Malz! Sie sind des Lebens Würze & Salz" zu lesen. Aber erst durch den Umbau zum Art Déco-Tabakladen ist dieses Objekt zum Unikat in Frankfurt geworden und darf deshalb die besondere Aufmerksamkeit der Denkmalpflege beanspruchen. Bemerkenswert sind vor allem die reich geschnitzten Holzvitrinen sowie die Stuckornamentik an der Decke in Gestalt von Sonne, Mond und Sternen. Auch der expressiv gezackte Stuckfries und die außen mit Keramik verzierte Schaufensterfront sowie die aufwändig gestaltete Ladentür aus Eichenholz verleihen dem ehemaligen Tabakladen einen besonderen Stellenwert in der Tradition des "Art Déco". Als Kleinode dieses Stils finden sich auf den Holzregalen, an der Ladentür und an der keramischen Schaufensterfront, die z.T. ebenfalls reliefartig gestaltet ist, Motive aus dem Kolonialhandel wie Schiffe, Palmen oder rauchende Menschen.

Die hölzernen Einbauten des Tabakladens waren ursprünglich mit einer leicht rötlichschwarzen wachshaltigen Ölharzlasur gefasst, in späterer Zeit aber mehrfach mit braun pigmentierten Kunstharzlasuren überstrichen worden. Im wesentlichen bestand die Restaurierung dieses hölzernen Interieurs – abgesehen von kleineren Ergänzungsarbeiten – in der Reinigung und Anlaugung der Oberflächen mit einer Seifenlösung sowie dem Auftragen einer pigmentierten Ölharzlasur, die sich aus Leinölfirnis, Kopalharz, Lärchenterpentin, Wachs und einem Erdpigment (gebrannte Umbra) zusammensetzte. Die Hartkeramik an der Fassade wurde auch unter Verwendung von Lösungsmitteln gereinigt, anschließend mit einer Paste aus gekochtem Leinöl, Tungöl, Kopalharz, Paraffin sowie minimalem Pigment- und UV-Schutzzusatz eingerieben und abschließend mit einer Bürste poliert.

In einer zeitgenössischen Veröffentlichung äußert sich der Architekt Peter Umpfenbach über seine Intentionen bei der fraglichen Umbaumaßnahme wie folgt: "... Warum soll man gerade dem Arbeits- oder Geschäfts-Raum nicht alle Liebe angedeihen lassen? – verbringt doch der Geschäftsmann hier den größten Teil seines Lebens... Von solchen Gedanken ausgehend, wurde die vorliegende Laden- und Raum-Ausstattung vollzogen. Sachlich und echt handwerklich bearbeitetes, schönes Material, große, ruhige Flächen mit einzelnen, ornamental besonders betonten Stellen sollen dem Auge Ruhepunkte und Anreiz bieten. ... Ein Stuckrelief auf milchig-graugelbem Putz, dazu der dunkle Eichenholzton feiner, zum näheren Betrachten einladender Schnitzereien sollen dem Raum die erwünschte, ruhevolle, zum längeren Verweilen anregende Stimmung geben und einen nachhaltig freundlichen Eindruck bei dem Beschauer hinterlassen." Diese Intention lässt sich in dem "Art Déco"-Unikat in der Berger Str. 185 bis heute nachvollziehen.

Hans-Günter Hallfahrt

 

Tabakladen in RESTAURO Heft 1, Januar/Februar 2002

Art-Déco-Tabakladen
Ladenraum und Schaufensterfront

Seit 1921 besteht in Frankfurt a.M. ein Tabakladen mit einem Interieur im Art-Déco-Stil. Dazu gehören reich geschnitzte Holzvitrinen, eine Stuckornamentik an der Decke des Ladenraums in Gestalt von Sonne, Mond und Sternen und ein expressiv gezackter Stuckfries. Außen macht eine mit Keramik verzierte Schaufensterfront mit der aufwändig gestalteten Ladentür auf sich aufmerksam. Die hölzernen Einbauten des Tabakladens waren ursprünglich mit einer leicht rötlich-schwarzen wachshaltigen Ölharzlasur gefasst, in späterer Zeit aber mehrfach mit braun pigmentierten Kunstharzlasuren übertrichen worden. Im Wesentlichen bestand die Restaurierung der Einbauten aus der Reinigung und der Oberfläche mit Seifenlauge. Es folgte der Auftrag einer pigmentierten Ölharzlasur, die sich aus Leinölfirnis, Kopalharz, Lärchenterpentin, Wachs und einem Erdpigment (gebranntes Umbra) zusammensetzt. Die reliefartig gestaltete Hartkeramik an der Fassade mit Motiven aus dem Kolonialhandel wie Schiffe, Palmen und rauchende Menschen ist unter Verwendung von Lösemitteln gereinigt worden. Einen Schutz erhielt sie durch das Einreiben einer Paste aus gekochtem Leinöl, Tungöl, Kopalharz, Paraffin. In minimalen Mengen sind Pigmente zugesetzt worden und ein UV-Schutz. Es folgte das Polieren mit der Bürste. Der ehemalige Tabakladen ist jetzt ein Ladengeschäft/Café der Firma Wacker's Kaffee-Rösterei GmbH, die seit 1914 in Frankfurt ansässig ist. Für die Umnutzung als Café ist der an den Verkaufsraum angrenzende Abstellraum mit einbezogen worden. Hans Günter Hallfahrt

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