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"Höchster Kreisblatt" - August 2000

Fachwerk-Restaurator arbeitet mit Blut, Quark und Seidenstrümpfen

Griesheim. Wenn Peter Schildger einkaufen geht, kommt es nicht selten vor, dass auf seinem Einkaufszettel „Blut, Knochenleim und Quark“ steht. Diese Materialien benötig er nämlich für seine Arbeit. Peter Schildger leitet ein Fachbetrieb für Denkmalpflege in Griesheim „Auf der Beun“. Das Spezialgebiet des gelernten Maler und Lackierers ist das Restaurieren von Fachwerkhäusern. Für diese Arbeit hat er eine Zusatzausbildung als handwerklicher Restaurator in der Probstei in Fulda absolviert.

„Er ist wohl der Fachwerk-Restaurator in Frankfurt, der am besten mit authentischen Materialien und Methoden vertraut ist“, lobt Hans-Günter Hallfahr, Konservator im Denkmalamt. „Er hat hier wirklich eine Monopol-Stellung.“ Da verwundert es nicht, dass Schildger die meisten seiner Aufträge vom Amt für Denkmalpflege, denn das ist mit der Arbeit des Griesheimers sehr zufrieden.

„Um Holz zu verbinden, haben Zimmerleute und Schreiner früher oft ein Gemisch aus Quark, Kalk Wasser, Ölen und Harzen verwendet“, erläutert er. Der Eiweißstoff Kasein im „Holzklebstoff“ ist nichts Ungewöhnliches, er wird nur in neunen Gebäuden kaum noch verwendet. Für die Front einer einfachen Fachwerkhauses braucht Peter Schildger etwa zwei bis drei Kilo Quark.

Peter Schildger  

„Am besten eignet sich Magerquark“, weiß er aus Erfahrung. Dieser wird so lange ausgequetscht, bis er kaum noch Wasser enthält. „Anschließend drücken wir die Masse durch seidene Damenstrümpfe – das sind die besten Siebe.“

Immer wieder neue Rezepturen mischt der Restaurator. Neuere Erkenntnisse mit ein. Je nach Beschaffenheit der Häuser muss er man mehr Harz,

mehr Öl oder weniger Wasser zugeben. „Ein ebenso guter Klebstoff wie Quark ist Blut mit Kalk vermischt“, verrät Schildger. Das könne man, wie das Kasein, in Form von Granulat erwerben – oder beim Metzger bekommen. „Doch das ist eine etwas eklige Angelegenheit, zumal ich Vegetarier bin.“

Einen weiteren historischen Baustoff, den Peter Schildger gern verwendet, ist Lehm. Seitdem er sich im Fernstudium als Baubiologe weitergebildet hat, interessieren ihn die klimatischen Bedingungen, die in Wohnräumen herrschen. „Ein ganzheitlicher Anspruch eben“. Schildger: “Lehm ist ein optimaler Baustoff. Er sorgt dafür, dass man sich in den Räumen sehr wohl fühlt.“ Lehm spielte im Mauerwerk als Ausgleichsfaktor eine große Rolle. Er nehme die Feuchtigkeit auf und gebe sie bei Bedarf wieder ab, so dass im Zimmer eine optimale Luftfeuchtigkeit von 60 bis 70 Prozent herrsche. Außerdem sei das Baumaterial Lehm ohne größeren Energiebedarf herstellbar.

Doch Schildger arbeitet auch für Privatpersonen. In Frankfurt hat er schon eine ganze Reihe Häuser restauriert, wie etwa das „Einhorn“ in Bonames und das Antoniterkloster in Höchst. Gerade ist er dabei, im „Orfeo“ die Lehmwand zu erneuern, die teilweise porös geworden ist und absplittert. Außerdem renoviert er dort einige Wände mit einer Granulatmischung aus Knochenleim. Die Mixtur dafür hat er in seinen Wohnung ausprobiert. Selbst wohnt er zwar nicht in einen Lehmhaus. Er kann sich aber durchaus vorstellen, mal eines zu bauen. Jutta Perino

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