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Wer zerstört den Regenwald ?
12 Fragen und Antworten zum Thema Tropenholz
Hauptsache Zertifikat?
Verunsicherung bei den Konsumenten, Ratlosigkeit bei vielen Kommunen: Darf inzwischen wieder Tropenholz guten Gewissens gekauft werden? Während umweltbewusste Verbraucher vor zehn Jahren noch sicher sein konnten, dass es praktisch kein nachhaltig geschlagenes Tropenholz gab, hat die Branche versucht, ihr Image aufzupolieren. Auf Teakmöbeln kleben plötzlich Ökosiegel, Hölzer aus Ländern wie Kamerun sind mit nationalen Zertifikaten ausgestattet. Dabei belegen verschiedene aktuelle Studien, dass in dem zentralafrikanischen Land ohne Korruption beim Holzhandel wenig läuft und der Raubbau an den dortigen Wäldern dramatische Formen angenommen hat. Und Kamerun ist kein Einzelfall.
Was also tun? "Rettet den Regenwald" gibt Antworten auf zwölf wichtige Fragen zum Thema Tropenholz.
1. Was versteht man eigentlich unter Tropenholz?
Hölzer, die aus den tropischen und subtropischen Wäldern in Asien, Afrika und Lateinamerika stammen. Produkte aus Mahagoni, Teak oder Palisander erwecken den Eindruck von Luxusartikeln. Viele Tropenhölzer wie Meranti, Ramin und Gabun werden aber für Alltagszwecke verwendet: als Sperholz, Besenstiel, Fensterrahmen, Klodeckel und Lärmschutzwand.
2. Stimmt es, was Umweltschützer behaupten, dass durch Tropenholzhandel die Regenwälder vernichtet werden?
Ja, die Tropenholzkonzerne zerstören seit Jahrzehnten den Regenwald. Viele Firmen handeln ganz bewusst nach dem Motto "Einschlagen, abkassieren und weg", um den höchstmöglichen Profit zu erwirtschaften. Zudem sind praktisch alle Versuche, die Hölzer der Regenwälder nachhaltig zu nutzen, bisher gescheitert, wie zahlreiche ältere und aktuelle Studien beweisen. Mit den Wäldern gehen auch die Waldvölker zu Grunde. Mit Bulldozern und Kettensägen wird zudem eine einmalige Artenvielfalt für immer ausgerottet.
3. Was geht uns die Zerstörung der Regenwälder an?
Die Vernichtung der tropischen Wälder bedroht uns alle, denn sie sind unersetzlich für ein stabiles Weltklima. Allein der Wald im Amazonas speichert 120 Millionen Tonnen Kohlenstoff, weswegen er auch als die "Lungen der Erde" bezeichnet wird. In den weltweiten Regenwäldern leben zudem schätzungsweise 30 Millionen Tier- und Pflanzenarten, die meisten von ihnen bisher unerforscht. Jeder großflächige Eingriff verändert das komplizierte Ökosystem, das unser größtes genetisches Reservoir beherbergt.
4. Warum wird bei uns überhaupt Tropenholz gehandelt, bei uns wächst doch genügend Holz?
Tropenholz ist oft preiswerter als qualitativ vergleichbare heimische Arten, weil die Bäume im Regenwald nicht erst angepflanzt wurden, sondern die Natur "kostenlos" geplündert wird. Zudem liegen die Löhne in den Tropenländern viel niedriger als bei uns. Auch gefällt es der Industrie, dass sich die Baumriesen aus den Regenwäldern leichter maschinell verarbeiten lassen. Bis auf wenige Spezialgebiete kann Tropenholz jedoch problemlos durch heimische Hölzer ersetzt werden.
5. Muss ich ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich etwas aus Tropenholz kaufe?
Wer Tropenholz kauft, sollte sich über die Folgen im Klaren sein. Die Regenwälder enthalten den größten Schatz der Menschheit. Zahlreiche Pflanzen- und Tierarten sind für die Ernährung und die Medizin nutzbar. Nur die Waldvölker kennen bisher die Gesetze dieser Vielfalt, während die Wissenschaft bei der Erforschung der Regenwälder noch am Anfang steht. Jetzt ist die Menschheit dabei, eine Bibliothek abzubrennen, deren Regale voll sind mit geheimnisvollen Büchern, von denen wir fast noch keines gelesen haben. Über die Hälfte der Tropenwälder sind bereits vernichtet worden. Wenn wir jetzt nicht handeln, wird es sie in einer Generation nicht mehr geben.
6. Ist die Vernichtung der Tropenwälder wirklich Folge von übermäßigem Holzexport?
Ja, obwohl der Holzhandel versucht, mit Zahlentricks seine Rolle bei der Vernichtung zu vertuschen. Er addiert sämtliches Holz, das in den Tropenländern als Brennholz verwendet wird, um zu beweisen, dass viel weniger Holz exportiert wird. Das Tropenholz für unseren Konsum stammt jedoch aus wenigen, noch waldreichen Ländern. Dort gibt es keinen Brennholzmangel, dort ist der kommerzielle Holzhandel für die Vernichtung der Wälder verantwortlich. Selbst die eher industriefreundliche Weltbank hat berechnet, dass der Holzhandel jährlich fünf Millionen Hektar Regenwald vernichtet.
7. Stimmt es, dass bei der Tropenholzernte meist Raubbau betrieben wird?
In Asien werden häufig bis zu zwei Drittel der Vegetation zerstört oder geschädigt, nur um einige wenige Baumarten aus dem Wald zu holen. Nach Einschätzung amerikanischer Wissenschaftler könnte allein das Holz, das dabei als "Abfall" im Wald zurückbleibt, den gesamten Weltbedarf decken. In Afrika werden sogar nur ein bis zwei Stämme pro Hektar genutzt. Gefährdet wird dabei der gesamte Wald, weil er von den Holzstraßen "geöffnet" wird.
8. Stimmt es, dass die Erschließung des Tropenwaldes der Brandrodung erst den Weg bereitet?
Für den Abtransport des Holzes werden bis zu 70 Meter breiten Straßenschneisen durch den Wald gebaut. Da die vom Holzhandel begehrten uralten Baumriesen fast nur noch in unzugänglich Gebieten wachsen, dringen die Holzkonzerne meist in bisher unberührte Primärwälder ein. Dort schlagen sie die wirtschaftlich lukrativsten Bäume. Auf den Holzfällerstraßen ziehen Wilderer und Farmer in den Wald und zerstören ihn zusätzlich durch Brandrodung und Plantagenanbau. Ein durchforsteter Regenwald ist zudem viel anfälliger für riesige Brände, wie wir sie von der Insel Borneo oder aus dem Amazonas kennen.
9. Ist es richtig, dass in Südamerika die ärgste Vernichtung des Regenwaldes erfolgt?
Die meisten Menschen wissen zu wenig über die weltweiten Regenwälder. Deshalb denken viele nur an den Amazonas. Doch die Regenwälder in Asien und Zentralafrika werden nach offiziellen Statistiken viel schneller vernichtet. Eine gerade veröffentlichte Studie warnt, dass die meisten verbliebenen Urwälder in Zentralafrika, der Karibik und im pazifischen Raum als direkte oder indirekte Folge des Holzhandels in Kürze verloren gehen, wenn nicht sofort einschneidende Schutzmaßnahmen ergriffen werden. In Brasilien ist der Holzhandel ebenfalls für die Regenwaldvernichtung verantwortlich, vor allem weil über die Hälfte der Stämme illegal und damit unkontrolliert geschlagen werden.
10. Stimmt das Argument des Holzhandels, dass es den Regenwäldern und den Menschen in der so genannten Dritten Welt hilft, wenn von dort Tropenholz exportiert wird?
Nein, denn der Tropenholzhandel vernichtet die Lebensgrundlage der Menschen in den Tropen. Weil die Holzernte nicht nachhaltig geschieht, schafft die Branche allenfalls kurzfristig Arbeitsplätze und zerstört gleichzeitig die langfristige Lebensgrundlage der Menschen. Einige Länder, die früher zu den wichtigen Tropenholzexporteuren gehörten, müssen heute Holz einführen, weil ihre eigenen Wälder als Folge des Raubbaus erschöpft oder verschwunden sind. Die Elfenbeinküste ist solch ein warnendes Beispiel. Heute hat das Land einen Großteil seiner Wälder verloren, das Pro-Kopf-Einkommen ist gesunken und die Auslandsschulden sind gestiegen.
11. Hilft ein Tropenholz-Boykott den Regenwäldern?
Jeder, der sich informiert hat und die Bedeutung dieser einmaligen Ökosysteme für unsere Erde kennt, wird sich diesem Boykott anschließen, bis zweifelsfrei nachgewiesen ist, dass das gehandelte Tropenholz aus ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltiger Produktion stammt. Diesen Beweis konnte der Holzhandel bis heute nicht antreten. Lediglich auf verschwindend geringen Flächen ist es bisher gelungen, halbwegs natur- und sozialverträglich Tropenholz zu ernten. Deshalb rufen Umweltschützer zum Boykott der meisten tropischen Hölzer auf und verzichten viele verantwortungsbewusste Privatpersonen, Firmen, Kommunen und Behörden auf Tropenholz.
12. Können die Regenwälder überhaupt naturverträglich bewirtschaftet werden?
Auf jeden Fall nicht mit Bulldozern und Kettensägen des Holzhandels, der kein Interesse an teurer nachhaltiger Nutzung hat, solange ihm immer neue Primärwälder zur Ausbeutung angeboten werden. Allein viele Waldvölker haben bisher bewiesen, dass Regenwald naturverträglich genutzt werden kann. Dabei spielt die Holzernte nur eine untergeordnete Rolle. Wichtiger sind so genannte Sekundärprodukte wie Öle, Nüsse, Latex und Früchte. Die nachhaltige Regenwaldnutzung wird dabei von kleinen, lokalen Initiativen kontrolliert und findet anders als der kommerzielle Holzeinschlag nicht auf riesigen Flächen statt.
Quelle info@regenwald.org